Zwischenstop im Cinema l’amour von Montreal

In Montreal haben wir ein richtig günstiges und trotzdem richtig schönes Hostel gefunden.
Da noch nicht viel los war bekamen wir für 17 Euro pro Nacht/Person inkl. Frühstück unser eigenes kleines Appartement.

Ziemlich hungrig von der Fahrt machten wir uns in der Nachbarschaft auf die Suche nach etwas zu essen und fanden zufällig ein gemütliches, portugiesisches Grill-Restaurant.
Die Kellnerin war sehr freundlich zu uns, wirkte allerdings etwas hektisch während sie von Tisch zu Tisch wirbelte. Wir mussten sie jedesmal erneut erinnern, dass sie auf ihr französisches Geschnatter statt einer Antwort nur freundlich verwirrtes Lächeln erwarten durfte.
Leider bekamen wir nur eine französische Karte in die Hand gedrückt. Wir versuchten Tierenamen in den Gerichten wiederzufinden, die wir aus französischen Kinderliedern kannten um uns irgendwie auszuhelfen.
In einer Mischung aus Faulheit und Lust auf was neues, beschloss ich eine der portugisischen Spezialitäten zu wählen. Um nicht ganz daneben zu liegen, ließ ich mir doch noch vor der Bestellung erklären, was ich denn da ausgewählt habe.
Als mir die Kellnerin erklärte, dass ich mich gerade für Octopuss entschieden habe, warf mir Mona einen Blick zu dessen Blick wohl am Besten mit „ich hätte volles Verständniss wenn du dich nochmal umentscheidest“ übersetzen ließe. Bereut habe ich die Entscheidung allerdings zu keinem Zeitpunkt (sehr zart und geil abgeschmeckt) und auch die Mädels probierten später artig.

Am nächsten Tag beschlossen wir auf Erkundungstour durch die Stadt zu gehen. Begleitet wurden wir von Bill aus England, den wir beim Frühstück im Hostel kennen gelernt hatten. Nach einem längeren Aufenthalt in Neu Seeland war er nun auf Tour durch Kanada. Er war nur einen Tag vor uns in Montreal angekommen, stellte sich aber als hervoragender Führer raus. Wir verstanden uns so gut, dass er spontan beschloss mit uns anstatt im Bus weiter nach Toronto zu reisen.

Irgendwie wurde ich durch die Leute auf den Straßen stark an Kreuzberg erinnert. Alles wirkte sehr entspannt und strahlte irgendwie ein angenehmes Lebensgefühl aus. Auf unserer Tour kamen wir auch an einem Cinema l’amour (klingt so viel schöner als BlueMovies, Erwachsenenfilme oder Pimmelwestern) vorbei.
Da von uns bisher keiner in einem solchen Kino war und Pärchen freien Eintritt hatten, beschlossen wir uns das ganze von innen anzuschauen. Ein Mann der mit uns gemeinsam das Kino betrat, machte einen durchaus selbstsicheren und eleganten Eindruck. So ziemlich das Gegenteil von meinen Erwartung an einen Mann der 18 Dollar Eintritt zahlt um das zu sehen, was er auf diversen Internetseiten umsonst in den eigenen vier Wänden geboten bekommt.
Ein bisschen mutiger, aber immernoch leicht unsicher wagten wir auch den Schritt weiter und baten an der Kasse um den freien Eintritt. Die Kassierin erkannte natürlich, dass wir keine Stammkunden waren. Sie zögerte zunächst ein wenig und überlegte zunächst ob sie den Manager fragen müsste, zeigte uns dann jedoch den Weg zum großen Saal.
Es dauerte ein wenig bis sich die Augen an das Licht gewöhnt hatten. Trotzdem erkannten wir bereits nach wenigen Sekunden, dass scheinbar fast zehn weitere Gäste sich bereits zu dieser frühen Tageszeit einen kleinen Kinobesuch gönnten.
Ich weiß nicht wie stark das natürliche Schamgefühl unsere Wahrnehmung in diesem Moment beeinflusst hat, aber es schien als würden sich plötzlich aus allen Richtungen raschelnde Geräusche nähern. Wahrscheinlich hatten einige die Hoffnung, dass die Anwesenheit von Pärchen zu einem neuen Handlungsstrang führen würde. Die Atmosphäre im Saal erinnerte mich plötzlich zunehmend an einen schlechten Zombie-Film. Unsere Witterung war aufgenommen worden und es wurde dringend Zeit die Lokalität zu wechseln. Wir beschlossen erstmal im Pub gegenüber einen Pitcher zu bestellen und uns ordentlich die Hände zu waschen…

Nachdem wir wieder im Hostel angekommen waren, beschloss ich noch eben schnell zum H&M zu gehen, musste allerdings feststellen, dass die Läden in Kanada recht willkürliche Öffnungszeiten haben. Aufgeben wollte ich noch nicht und es gab auch viel zu sehen auf meinem Weg. Irgendwie benahm ich mich wie ein kleines Kind, dass versucht einen Schmetterling zu fangen und dabei nicht merkt wie es immer weiter von zu Hause abdriftet. Als ich wieder im Hotel angekam, waren zwei Stunden vergangen und meine hungrigen Mitreisenden schon ein wenig ungeduldig, wussten sich aber mit Bier und „The Voice“ zu beschäftigen.

Wir entschlossen uns, zu einem nahe glegenen Pub zu gehn um einen Burger zu essen und anschließend noch ein wenig zu feiern. Im Flur gabelten wir noch eine Französin auf, die wir schon flüchtig kennen gelernt hatten und machten uns gemeinsam auf den Weg. In der Bar gab es riesige Gallonen-pitcher, aber leider hatte die Küche schon geschlossen. Nach dem ersten gemeinsamen Pitcher auf nüchternen Magen beschloss ich irgendwo in der Nachbarschaft Pizza zu besorgen. Wieder ein scheinbar unmögliches Unterfangen, da auch die Fast-Food-Läden in Kanada nur Do-Sa länger offen haben. Als Abendessen mussten daher Oreo und Chips herhalten.

Alles in allem wurde es ein sehr gelungener Abend mit vielen kleinen Annekdoten.
High-Five Montreal!!!!

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