We the people

Es ist Sonntag, 20ster März, etwa einen Monat vor meinem Aufbruch in die USA und ich habe/hatte nicht vor den Blog zu veröffentlichen bevor meine Tour wirklich losgeht.
Wenn du diesen Satz zu Ende gelesen hast, ist also mindestens ein Monat vergangen, seit ich ihn begonnen habe. Trotzdem wollte ich es mir nicht nehmen lassen schon jetzt ein paar Worte fallen zu lassen

Warum also dieser frühe post?

Ich

  • versuche mich von meiner Bachelorarbeit (u.a. über Blogs) abzulenken
  • möchte euch nicht auf einen völlig leeren Blog loslassen
  • will Leute, die mich länger nicht gesehen haben auf den neusten Stand bringen
  • ausprobieren was man hier so machen kann und mich nicht unterwegs damit aufhalten
  • habe Post aus Frankfurt bekommen (mehr dazu weiter unten)…

Und warum überhaupt dieser Blog?

Nachdem ich nun fast 5 Jahre in Aachen verbracht habe und wohl noch zwei weitere Jahre dort verbringen werde, ist dieses Jahr ein günstiger Zeitpunkt für mich mal zu schauen, was es denn noch links und rechts  (und wo man schon mal dabei ist, auch unterhalb) von Aachen so schönes zu sehen gibt in der weiten Welt. Die großen Flüge sind gebucht, die Papiere für mein Praktikum in Afrika abgeschickt (ich hoffe der Termin klappt) und nun geht es in vier Etappen um die Welt:
Amerika (Reise einen Monat per Auto und Bus von Stadt zu Stadt)
Afrika (Praktikum über IAESTE in einem Incubation Center in Benin-City, Nigeria)
Australien (mit Krikke & Jona 3 Wochen die Ostküste bereisen)
Asien (Überland von Singapur nach Vietnam)

Aber mal zurück zum Anfang (noch ein Monat früher, also Mitte Februar) um das ganze halbwegs chronologisch zu gestalten.

Zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch überlegt, ein Praktikum in NYC zu machen (schon mal vorweg: nix draus geworden, weil Afrika dazwischen gekommen ist). Da ich für Einreise und Praktikum einen amerikanischer Reisepass und Sozialversicherungsnummer brauchte, stand für mich nach knapp 25 Jahren erfolgreicher Prokrastination (sorry, aber ich liebe einfach, dass ein Wort dafür existiert) nun doch mal das Thema doppelte Staatsbürgerschaft auf dem Plan.

Ich ließ mir also von meiner Mutter alle nötigen Unterlagen geben, suchte im Internet alle wichtigen Informationen (Nein, ich muss nicht an die Front!!), sowie die Telefonnummer der Botschaft raus und bewaffnete mich im Geiste noch mit ein paar Standartsätzen die mich bei der Terminvereinbarung erwarteten könnten.
Aber wie heißt es so schön: „Gott gab uns die Sprache, damit wir an einander vorbeireden“…

Eigentlich wollte ich nur einen Termin vereinbaren um den Pass zu beantragen. Da der Mann am anderen Ende scheinbar nicht glauben konnte, dass ein 25 Jähriger „Amerikaner“ noch nie einen Reisepass hatte, fing er jedoch plötzlich ein halbes Beratungsgespräch mit mir an.
Als er merkte, dass ich dem geballten Vokabular der amerikanischen Bürokratie nicht gewachsen war, fragte er freundlich:

„Wisse se, wier köhnen auch Deutsch spräsche“

Schwarze Toilettenmänner, die fließend sächseln und Deutsch-Türken mit indischem Akzent, das alles kennt man ja bereits aus der Flimmerkiste. Aber als ich zum ersten Mal einen Amerikaner mit schwäbischem Akzent zu hören bekam, musste ich fast in die Tischkante beißen um nicht laut loszulachen…

Ich hatte mittlerweile vor seiner freundlichen Art resigniert und spielte das „Beratungsgespräch“ mit, in der Hoffnung so zwar auf Umwegen, aber doch schneller als durch ewige Erklärungsversuche einen Termin vor Ort angeboten zu bekommen.
Nach einigen weiteren Fragen verkündete er dann irgendwann in höchst feierlichem Tonfall „Ich darf Ihnen mitteilen, Sie sind seit ihrer Geburt amerikanischer Staatsbürger.“ Als er statt Jubelschreien oder Freudentränen nur ein “Hmm, ähh, ja,cool und wann kann ich vorbeikommen um den Pass zu beantragen“ zu hören bekam, wirkte er doch ein wenig geknickt von meinem fehlenden Enthusiasmus. Irgendwie hatte ich mich halt doch über die Jahre zu sehr an schwarz-rot-gold gewöhnt, als dass ich von null auf hundert zum amerikanischen Vollpatrioten werden könnte.

Die Beantragung vor Ort lief dann eigentlich recht unkompliziert. Ein wenig zum Schmunzeln war noch, dass es scheinbar nicht reicht per Unterschrift die Korrektheit der im Antrag gemachten Daten zu bestätigen. Nachdem die Sachbearbeiterin alle Daten aufgenommen hatte, wurde ich zu ihrer Kollegin weitergereicht, der ich mit erhobener Hand schwören musste, dass alle Angaben richtig sind.

Nunja, und seit Freitag hab ich ihn nun endlich, meinen ersten amerikanischen Reisepass.
Mit seinen bunt bebilderten Seiten lässt er den deutschen Reisepass, fast wie einen schüchternen kleinen Musterschüler von der Waldorfschule neben der frisch gewählten Prom-Queen wirken.

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