Was kommt, das kommt

Warum reicht uns so häufig nicht „gut“? Das frage ich mich gerade.

Ich bin noch immer im Urlaub, es ist warm, ich habe frei. Die Antwort auf die Frage wie es mir geht, sollte eigentlich ein eindeutiges GUT sein und trotzdem habe ich den halben Vormittag nur so vor mich hin vegetiert, während Opa alleine in der Stadt unterwegs war.

Jetzt ist es 13 Uhr, ich habe mich für beide Tage in Barcelona mit lieben Menschen verabredet. Ich sollte unsere aktuelle Station Manresa noch ein bisschen mehr auf mich wirken lassen.

Ich fühle mich auf jeden Fall schon nach wenigen Zeilen besser, weil mein Kopf durch das Schreiben was zu tun hat und weil ich mittlerweile draußen bin.

„Lass mal den Tag genießen in der Sonne und was kommt, das kommt und was nicht kommt, das kommt halt nicht.“ sagt Opa als ich ihn wenig später einsammle.

Ich habe gerade beschlossen, dass ich in den nächsten 12 Monaten noch einmal nach Spanien fliege und dann Barcelona mit mehr Ruhe besuchen werde. Außerdem möchte ich schauen, wie ich mehr Urlaub in mein Leben bekommen kann. Ich wollte doch bald auch nochmal in Winterurlaub fahren.

Zur Ruhe kommen, das ist mir die meiste Zeit des Urlaubs gelungen und doch merke ich jetzt zum Ende, dass genau diese Ruhe manchmal auch Arbeit erfordert. Ich bin einfach ein wenig überrascht von der Schwere, die mich am Morgen einer unserer letzten Urlaubstage überfallen hat.

Zu Hause kenne ich dieses Gefühl, aber was hatte es hier im Urlaub zu suchen? Hier in Manresa war ich wohl durch die Entschleunigung unserer Reise wieder mit der Realität konfrontiert, ohne aktiv etwas dafür zu tun.

Etwas in mir sehnt sich nach Beschäftigung. Als Opa vorschlägt ein Taxi zur Unterkunft zu nehmen und eine Runde Siesta zu machen, da streubt sich alles in mir. Was ich gerade tun kann, ist in Bewegung bleiben und runterzuschreiben, was mir in den Kopf kommt. Vielleicht dabei ein aktuelles Thema angehen.

Ich hatte jetzt anderthalb Wochen Auszeit. Hat sich in mir sonderlich viel geändert? Wahrscheinlich nicht. Trotzdem hatte ich vor allem viel Zeit über „gutes Leben“ nachzudenken. Auch wenn mir alle Voraussetzungen dazu gegeben sind, habe ich aktuell das Gefühl nicht genug dafür zu tun, ein gutes Leben zu führen. Zumindest in Teilen meines Lebens sollte ich mir selbst klarer werden, was für mich wirklich „erstrebenswert“ ist.

Gleichzeitig geht es mir in den zwei Wochen mit Opa sehr gut und es fühlt sich weder falsch noch unverdient an. Sarah würde es „Energieausgleich“ nennen. Eine Währung in der man im direkten Austausch schaut, was man für das Leben des anderen beitragen kann. Wenn man häufiger mal diese Währung als Maß ansetzt, dann habe ich bisher ein unglaublich erfülltes Leben geführt.