Ob du behindert bist, habe ich gefragt!

Ja, irgendwie schon immer. Ich wünsche mir nur manchmal es würde dir weniger Angst machen.

Ich bin mit behinderten Menschen aufgewachsen. Zuerst mit Behinderten, dann mit Behinderten Menschen und dann irgendwann mit Menschen mit Behinderung.

Als Schülerpraktikant, der verpasst hat sich rechtzeitig was zu suchen und als Zivi der nicht weg wollte von meiner ersten ernsthaften Beziehung.

Vor allem aber als Sohn „einer von denen“ aka einer Mitarbeiterin der Lebenshilfe. Das erste Silvesterfeuerwerk, an das ich mich erinnere habe ich in einem Wohnhaus erlebt. Ich kannte den Begriff Trisomie 21 bevor ich gelernt habe was ein Chromosom ist. Im Studium haben wir uns regelmäßig Zelte für Parties vom Wohnhaus ausgeliehen.

„Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.“ Dieser Satz wurde vor 30 Jahren im Artikel 3 des Grundgesetzes ergänzt. Am 3. Dezember ist der Internationale Tag der Menschen mit Behinderungen. 

Nun habe ich selbst seit einem halben Jahr einen Grad der Behinderung. Nur einen kleinen aber es war eine wichtige Entscheidung.

„… und wenn man selbst eine aktive Rolle daran hat, etwas zu verändern, was man bisher nicht gesehen hat.“

Eigentlich wollte ich heute einen Artikel schreiben, wie meine Behinderung mich im Berufsalltag begleitet. Aber Nö, ich bin ja gerade auch mal wieder krank geschrieben und selten um eine Ausrede verlegen.

An dieser Stelle trotzdem ein Vorsatz für nächstes Jahr, mich endlich mal in diesem Bereich zu engagieren. Die Initiative InKlub macht hier zum Beispiel tolle Arbeit: inklub.eu

Was mich wirklich traurig macht, das sind die Momente wenn Menschen die ich liebe und die ich lieb habe vor mir zurückschrecken, weil ich mal wieder zu aufbrechend für andere und für mich bin.

Wenn ich glaube, ich sei stark im Kommunizieren und dabei doch nur klug bin aber nicht weise.

Wenn ich weinen könnt, weil ich mich wieder nicht verstanden fühle und doch nicht schaffe Ruhe zu geben.

Wenn ich mich endlich mal wieder benebeln möchte, um mir selbst nicht zuhören zu müssen.

Wenn mich ein Mensch zu lieben scheint, der so schön ist, dass alles in mir strahlt aber dieser Mensch es nicht erträgt mit mir zu sein.

Wenn ich mir wünsche zu fliehen und mich vor Träumen fürchte, in denen ich mich nicht mehr bewegen kann.

Im Moment als ich begreife, dass ich Angst habe dir zu schreiben, wie ich wirklich fühle und was ich gerne ohne Angst sagen möchte.