No wahala

No wahala!!
Das waren meine ersten Worte die ich in Nigeria gelernt habe. No wahala, dass heisst soviel wie “Keine Panik”, “Kein Stress” oder vielleicht am treffendsten “Alles wird gut”.

Wer schon mal in Lagos gelandet ist und nicht direkt wieder in den nächsten Flieger Richtung Heimat gestiegen ist, weiss genau wie wichtig diese Worte sind, um das Leben in Nigeria genießen zu können…
Mit einer gewissen Vorahnung, aber ohne jeglichen Schimmer was mich erwarten würde, verließ ich am Sonntag vor genau zwei Wochen meinen Flieger aus Dubai. Ein wenig orientierungslos machte ich mich auf die Suche nach einem Einreiseformular, das scheinbar im Flieger verteilt wurde während ich gepennt habe. Bevor ich meinen Einreisestempel in den Pass gedrückt bekam, hatte ich bestimmt schon drei oder viermal die Passkontrolle passiert.
Nachdem alle “Formalitäten” geklärt waren, fragte ich ein sympathisch wirkendes Ehepaar wie man denn am Besten zum Abflugbereich für Inlandflüge kommen könnte (ausserhalb des Geländes für internationale Flüge). Da hörte ich sie zum ersten Mal, diese zwei magischen Worte “NO WAHALA, just follow us”. Wie ein kleiner Junge trottete ich den beiden hinterher, ließ sie Beamte anschreien, die am Ausgang eine zweite Kontrolle durchführten, überließ ihnen die Verhandlungen mit dem Taxifahrer und genoß es in einer sehr fremden Welt doch sehr willkommen zu sein.

Die nächste Gelegenheit zur Erprobung der neu erlernten Worte ließ nicht lange auf sich warten. Am Check-In Schalter erfuhr ich, dass mein Flug nach Benin-City gestrichen wurde und der nächste Flieger erst am Tag starten würde. Zum Glück war ich noch mit meinen neu gewonnen Freunden unterwegs. Diese erklärten mir, dass ein Nein an einem Infopoint nicht bedeute, das generell alles verloren sei. Ich folgte also ihrem Rat und versuchte mein Glück an einem anderen Schalter der Fluggesellschaft. Am dritten Schalter konnte man mir  dann tatsächlich auch wirklich weiterhelfen. Eine Stunde später war ich auf eine andere Gesellschaft umgebucht und saß im Flieger Richtung Benin-City. Während der ganzen Zeit bis alles geregelt war, fielen meinen neuen Freunden diverse Gründe ein, warum sie denn gerade zufällig noch was in meiner Nähe zu erledigen hatten, so dass sie mir “ganz nebenbei” helfen konnten.

Dieses Gefühl, auf dezente Weise permanent von Menschen die sich um mich kümmern umgeben zu sein, habe ich in den letzten zwei Wochen immer wieder zu spüren bekommen.

Jeden Abend findet mindestens ein Arbeitskollege eine Ausrede um mich anzurufen und zu hören ob ich gut zu Hause angekommen bin.
Als ich eine Frau nach dem Weg gefragt habe, hat sie mich wie eine Entenmutter durchs Gewusel einer Großkreuzung gelotst. Bevor ich in den nächsten Taxi-Bus eingestiegen bin, hat sie mich quasi an zwei Mitfahrerinen abgegeben, damit diese mich den Rest der Strecke begleiten können.
Während der ca.60 Fahrten, die ich bisher mit den kleinen Taxi-Bussen gemacht habe, hat erst ein Fahrer versucht mich zu betuppen und ein höheres Fahrgeld als angebracht verlangt. Dieser hat es jedoch ziemlich schnell bereut, da er direkt sehr wüst von den anderen Fahrgästen beschimpft wurde, was ihm denn einfallen würde, so mit einem Gast umzugehen.

Auch wenn der erste Eindruck sehr einschüchternd sein kann, so ist es diese freundliche und warmherzige Art der Menschen, die es einem Gast wirklich schwer macht, sich hier nicht wohl zu fühlen. Man lernt sehr schnell, sich auf die teilweise doch erheblichen Unterschiede zu Europa einzustellen, um nicht bei jedem kleinen Problem gleich aus der Haut zu fahren und die Zeit in vollen Zügen genießen zu können.

No wahala! oder wie der Kölner sagen würde: “Et es wie et es. Et kütt wie et kütt. Et hätt noch immer jot jejange.”

Da die Zeit im Moment noch wie im Rausch verfliegt, bin ich noch nicht dazu gekommen viel mehr zu berichten, aber ein paar Bilder sollt ihr schonmal zu sehen bekommen…

Das waren paar Bilder aus meinem neuen Familien-Album

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