…ist doch von allen Nüssen, die Menschen knacken müssen, die allerhärteste Nuß!
Ludwig Bechstein (1801 – 1860) – Märchensammler und Erzähler
Ich muss und du musst gar nix…
Ich habe die letzten Tage immer mal wieder über das Wort „muss“ nachdenken müssen. Ich verwende tatsächlich recht häufig dieses kleine, aber starke Wort. Dabei ist mir aufgefallen, dass ich in der Schule das Wortpaar „Must/Must Not“ im Zusammenspiel mit der deutschen Übersetzung „du musst/ du darfst nicht“ unglaublich spannend fand. Eben nicht die aus deutscher Sicht viel sinnvollere Übersetzung „ / du musst nicht“ war die Richtige. Oder zumindest in meinem Kopf wäre sie viel sinniger gewesen und so wurden diese Paare für mich plötzlich spannend und faszinierend.
Genau diese feinen Nuancen in den Momenten der Sprache begeistern mich. Und trotzdem bin ich manchmal blind für die eigenen Momente. Dürfen und Müssen was für ein spannendes Gespann, sowohl sich selbst als auch wem anders entgegen gebracht. Das eine so sanft, das andere so hart und doch kann der Klang von beiden täuschen.
Meine aktuelle Interpretation wo der wichtigste Unterschied zwischen dürfen und müssen zu finden ist?
Dort wo ich eins der beiden Worte nutze, weil ich einen positiven Einfluss auf dein Leben nehmen möchte. Momente in denen Sätze fallen wie „Du musst kurz stehen bleiben, da kommt ein Zug. Du musst diesen Film sehen. Du musst immer (locker durch die Hose) atmen.“
Und jetzt ersetz mal bei den letzten drei Sätzen das muss durch ein darfst.
„Du musst“ = ich glaube zu wissen was für dich in diesem Moment richtig ist. Denn so wie ich die Dinge gerade sehe, will das Universum folgendes…
„Du darfst“ = ich glaube entscheiden zu können was du in diesem Moment machst. Denn ich erlaube dir in meinem Universum folgendes…
Es muss
Ich glaube im Rheinischen bedeutet „muss“ aber meistens Dinge wie „machste nix“, „muss halt“. („Wie gehts dir?“ – „muss ne…“)
Ne gewisse positive Gleichgültigkeit gegen Dinge die man nicht ändern kann und sie nicht zu sehr in die Waagschale legen sollte. Dinge von denen man sich nicht aufhalten lassen sollte.
Ich sage „du musst“, aber du bist stark und sagst „ich muss gar nix“. Und du merkst, es ist wohl für uns beide ein wichtiges Wort, aber wir sprechen glaube ich auch manchmal einfach nur ein bissl andere Sprache. Denn ich erwarte von dir, dass du weißt „ich muss gar nix“ ist eine Antwort die ich gerne höre.
Irgendwie interessant und auch irgendwie schön, wenn es dir aufgefallen ist. Es steckt auf jeden Fall viel Dualität und Raum für Interpretation in diesem kleinen Wort…
Beim nächsten Mal wenn dir ein „du musst“ von mir aufstößt, musst du dir einfach denken: „David ist halt ein kleiner Dorftrottel ohne Manieren“ nicht „David glaubt entscheiden zu können was ich zu tun habe“…
Oder auch nicht, musst du selbst wissen… 🙃
Gespräche die mit „et muss“ anfangen enden in meinem kleinen Örtchen Jläähn übrigens häufig mit „Lott John“ was soviel heißt wie „lass dich nicht aufhalten“ aber auch „lass es dir gut gehen“. Quasi die kurze schnoddrige Version von „May the Road rise to meet you“ 🍀