Heute habe ich meine erste Lohntüte (im wahrsten Sinne des Wortes) bekommen.
Für alle die sich immer noch wundern (weil sie bisher nicht auf den WAS GENAU?-Link geklickt haben): Ich bin nicht nur zum Spaß hier in Nigeria. 5 Tage die Woche, mache ich mich morgens auf den Weg zu meiner Praktikumsstelle.
Über das Praktikanten-Austauschprogramm IAESTE (www.IAESTE.de) bin ich an eine Stelle in einem Technology Incubation Center in Benin, Nigeria gekommmen.
Wie bereits versprochen, will ich allerdings auch mal genauer beschreiben, was ich denn überhaupt während des Praktikums mache.
Da der Begriff Incubation Center nur wenigen Leuten geläufig ist, werde ich zunächst einmal kurz beschreiben wie das Center aufgebaut ist. Das Konzept der Incubation Center zielt auf die Gründung neuer KMU (kleine und mittlere Unternehmen) ab und soll Unternehmer in der Gründerphase unterstützen. In einem durch staatliche Mittel unterstützten Zusammenschluss von Unternehmen soll eine förderliche Umgebung für den Start ins Geschäftsleben geschaffen werden.
Es werden kostenlose Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt, Internetzugang ermöglicht, es existiert ein kleines Labor (Bild 16) und Unterstützung in verschiedenen administrativen Angelegenheiten geboten. Mentoren unterstützen die Unternehmer bei Behördengängen und Problemstellungen in verschiedenen Bereichen (Technik, Buchhaltung, Marketing etc.).
Das Technology Incubation Center Benin existiert nun seit 12 Jahren und zur Zeit befinden sich im TIC 10 Units, in denen die Unternehmer drei Jahre haben ihre Ideen zu verwirklichen. Danach werden sie feierlich verabschiedet und müssen Platz für ein neues Unternehmen machen (Bild 17&18).
Meine erste Woche habe ich mit Emeka (Bild 4) und Emmanuel (Bild 5) verbracht.
Die beiden sind alte Freunde und teilen sich eine Unit. Während Emeka bereits erste Modelle seines Pürriergerät für Süßkartoffeln verkauft, befindet sich Emmanuel noch in einer Art Marktforschungsphase (im wahrsten Sinne des Wortes) für sein Hauptunternehmung, die Produktion von Wohnzimmertischen. Um sich über Wasser zu halten müssen beide neben ihrer Tüftlertätigkeit diverse Reparaturen für andere Unternehmen innerhalb und ausserhalb des Centers ausführen.
Mein erster Eindruck von der doch recht rustikalen Werkstatt (Bild 6) war natürlich erstmal ein wenig ernüchternd. Spätestens als ich dann am ersten Arbeitstag bereits (mit respektvollem Abstand) eine Aluminiumschmelze self-made-Art (Bild 2&3) in Aktion erleben durfte, wurde mir klar, dass mich hier keine deutschen Produktionsstandarts, dafür aber ganz neue Eindrücke erwarten würden. Da sich beide in der Erprobungsphase befinden und mit geringem Kapital auskommen müssen, konnte ich hier in verschiedenen Situationen Improvisation der Meisterklasse erleben.
Die zweite Woche habe ich mit Ehigie und Josef von LiteStonePlus verbracht. In dieser Unit werden Spannungswandler (Bild 7) produziert. Da hier in vielen Gegenden täglich der Strom ausfällt, bietet das Unternehmen eine leise Alternative zu den lärmenden und spritfressenden Diesel-Generatoren, die quasi jeder Haushalt hat. Da auch dieses Unternehmen nicht ohne Nebentätigkeiten auskommt, durfte ich mit zu einer der lokalen Zeitungen fahren, um den beiden bei der Reperatur einer Zeitungspresse zuzusehen. Leider hatte ich meine Kamera an diesem Tag nicht dabei.
Die dritte Woche verbrachte ich in zwei Unternehmen. Zunächst lerne ich Austine Progressiv Bags kennen, die Taschen für jede Gelegenheit (Hochzeit, Graduierung, Todesfall etc.) anfertigen. Ich hatte riesigen Spaß mit Mr. Austine und seine Angestellte Gift (oder auch Mama Tina genannt). Die beiden kebbelten sich permanent wie Katz und Hund.
Zudem arbeitete ich in dieser Woche mit Mr. Noma, der Gummihandschuhe und andere Latexprodukte anfertigt. Nachdem ich den ersten Tag quasi nur mit Unterhaltungen über Deutschland sowie sein Unternehmen verbracht hatte, bekam ich am zweiten Tag eine Chance, die ich so schnell nicht vergessen werde.
Ich durfte mit zur “Ernte” auf eine Gummibaumplantage fahren (werde die Tage noch weitere Bilder mit Erklärung posten).
Gestern und vorgestern verbrachte ich dann zunächst in einer Produktion für Wandfarbe. Sau dreckige Angelegenheit, aber auch hier traf ich mit Mr. Carlo auf einen Unternehmer, der genaue Vorstellungen davon hatte was er in den kommenden Jahren erreichen will. Von den drei Jungs die für ihn arbeiten, lernte ich dann auch noch ein paar neue Pidginwörter 🙂
Heute habe ich mit Mr. Lukas, einem sympathischen Schuhmacher und seiner Angestellten Edith zusammengearbeitet. Am Ende des Tages hatte ich nicht nur jede Menge über seine Produktion erfahren, sondern konnte auch noch mein erstes selbst angefertigtes Paar Schuhe (Bild 15) anziehen.
Ich bin nun fast schon vier Wochen hier und habe die Zeit in verschiedenen Unternehmer-Units verbracht. Mittlerweile habe ich ein wesentlich klareres Bild darüber, was in den einzelnen Units vor sich geht: wo entscheidende Unterschiede liegen, wo es Überschneidungen gibt und wo vielleicht Verbesserungsmöglichkeiten existieren. Ab nächster Woche werde ich dann die Arbeit der verschiedenen Mentoren genauer kennen lernen und sie hoffentlich kräftig in ihrer Arbeit unterstützen können.