Meinen Abschied von Istanbul startete ich bei einem gemeinsamen Frühstück mit meinem neu gewonnenen Freund Sefa.
Wer Zeit mit mir in Istanbul verbracht hat, kennt sicher noch den kleinen Laden mit schäbigem schwarzen Werbeschild, auf dem eine Katze und eine wild flackernde rote Leuchtstoffröhre zum Kavalti (türkisches Frühstück) einlädt. Viel eher erinnert man sich aber an eine tischfüllende Auswahl von süßen und salzigen Leckereien wie auch an alte Herren, die einen freudestrahlend begrüßen und dann unentwegt mit Cay zubomben.
Dass man in Istanbul sein Frühstück auch um vier Uhr nachmittags noch serviert bekommt, kam meinem Schlafrhythmus häufig sehr entgegen.
Die Stimmung zwischen Sefa und mir war sehr ruhig und das Wort “Fernweh” schien über beiden Köpfen zu hängen.
Einerseits freute ich mich natürlich riesig bald meine alten Freunde wiederzusehen, trotzdem wurde ich etwas wortkarg beim Gedanken daran zum letzten Mal als Mitglied der Nachbarschaft an diesem Tisch zu sitzen. Sefa hingegen hatte erst vor wenigen Tagen erfahren, dass man sein Visa für ein Praktikum in Italien abgelehnt hatte.
Da saßen wir nun mit unruhigem Gefühl zwischen alter und neuer Heimat. Jeder in die eigenen Gedanken vertieft und doch konnte man die Situation des anderen mitfühlen. Zum Glück hatte keiner von uns das Bedürfnis, die vielen Momente der Stille mit sinleerem Smalltalk zu füllen. Es schien als hätten die wenigen gesprochenen Sätze alle die selbe Bedeutung:ein kurzes “keine Sorge, ich bin noch da” bevor wir uns wieder in die Stille unserer Gedanken verloren.
Nach dem ausgedehntem Frühstück beschlossen wir einen kleinen Spaziergang durch die Nachbarschaft zur Cihangir Moschee zu machen.Nur wenige hundert Meter vom Taksim Platz und der lauten Istiklal entfernt, kann man im Garten der Moschee in friedlicher Stille einen Blick über den Bosporus hinüber nach Asien genießen.
Während wir den Ausblick an der Moschee genossen, erhielt Sefa eine Nachricht aus Italien, dass sein Praktikum dank eines anderen Visaverfahrens nun doch zustande kommen konnte. Ich freue mich schon ihn auf seiner Europa Tournee wiederzusehen.
Zu Hause warteten zwar noch ungepackte Koffer auf die Abreise in vier Stunden, aber wer die Aussicht kennt, kann verstehen wieso ich dieser Aufgabe gerne noch ein wenig Aufschub gewährte. Was ich mit diversen Kilo Übergepäck anstellen sollte, hatte ich bis dahin noch nicht genau durchdacht.
Wie immer wartete die Lösung bereits mit einem in der Hand wartend nur wenige hundert Meter entfernt. Das wusste ich zwar noch nicht, aber warum stressen wenn am Ende doch eh immer alles gut wird.