Way to good and way too free

So we live like the bourgeoisie

Eigentlich war ich schon ready um ins Bett zu fallen. Irgendwas an diesem Laden war anders.

Nein irgendwas an den Menschen in der Schlange war anders. Das erkannten selbst meine müden Augen im Vorbeigehen auf dem Weg zu meiner Unterkunft.

Ich hatte keinen Bock auf Clubbing auch wenn es mich gereizt hätte, dort mal Mäuschen zu spielen. Zurück im Hotel habe ich dann aber doch noch kurz recherchiert. Cobrah hieß der Act, für den diese wunderbaren Weirdos da anstanden.

Okay, Cobrah hatte ich aufm Schirm und wollte mir sowieso gern mal ihre Show geben. Also kurz Tasche im Hotel abgestellt und schnell wieder zurück zur Schlange. Sollte ja auch nur bisschen mehr als nen Zwanni kosten.

Der Raum war bereits gefüllt, auf der LED Wand kreiste ein Cobrah Logo, das aussah wie einer dieser 3D Font die ich Ende 90er exzessiv auf meiner Fortunecity Homepage verbaut hab.

Hinterm FoH war noch Platz frei mit perfektem Blick auf Bühne und Publikum plus einem Geländer zum anlehnen. Für ein Konzert wurde relativ viel geknutscht, ansonsten alles ganz gesittet hier.

Stroboweiss auf der Bühne und tosendes Gekreische im Publikum als es losgeht. Rund 500-700 Kehlen auf kleinem Raum. Ein bisschen so muss es früher auf einem Take That Konzert gewesen sein.

Nur dass im Publikum statt Einheitsbrei aus Teenie-Mädchen, rund 40% kreischende Mädchen und 40% kreischende Jungen zu erkennen waren. Ihre Identitäten flossen aus einem bunten Spektrum hinein in den schwarzen Raum.

Größtenteils noch recht jung, einige irgendwie neerdig, viele sehr aufreizend gekleidet und irgendwie wirkten alle recht angenehm zufrieden in ihrer Weirdness. Zumindest heute und hier.

Auch ich war hyped und genoss vor allem die satten Bässe. Irgendwann kurz nach dem dritten Lied war dann aber bereits die Luft raus und der alte Mann in mir kam raus.

Der Beat fing an mich zu erinnern an das was in den USA als European Dance Music gefeiert wird oder besser gesagt, wurde, in der Zeit als ich noch regelmäßig in Clubs anzutreffen war. Das etwas dunklere Gothic Upgrade war mal mehr und mal weniger präsent, ich war mir sehr unsicher was davon für mich noch neuartig war.

Jemanden in engen Klamotten auf einer Bühne über Gegenstände räkeln, auch das hat man schonmal gesehen. Immer wieder folgten auf diese Teile der Show dann Momente in denen sie sich vor dem Publikum aufbaute als wäre dies ihre Gemeinde. Und die Gemeinde jauchzte.

Die Kombination aus Dominanz während der Performance und kindlich-süßen Zwischenmomenten mit Sätzen wie „this is the moment I was wishing for while writing my songs“, auch nicht unbekannt. Und die Gemeinde jauchzte.

Was ich allerdings nicht klein reden kann, sind die Emotionen und die Atmosphäre, die ihre gesamte Aura von Anfang bis zum Ende der Show für all die lieben Weirdos im Raum geschaffen hat. Sie hat den Raum verwandelt! Und die Gemeinde jauchzte.

Irgendwie muss ich wieder an Vincent denken und seine Worte: „every generation is told that they are the generation that can change everything. We were told that too.“